Die Reise über die Alpen hat eine erstaunliche Geschichte, von Ötzi bis heute. In der Antike galt die Alpenüberquerung als Heldentat und noch im frühen 18. Jahrhundert gab es kaum befahrbare Straßen über das Felsmassiv und die Reise war noch immer ein lebensgefährliches Unterfangen.
Erst mit der Anlage von ganzjährig befahrbaren Straßen unter Kaiserin Maria-Theresia wurden die Alpen nicht nur als Handelsweg erschlossen, sondern auch als Weg zum Sehnsuchtsort Italien für englische Aristokraten und andere Reisende wie Johann Wolfgang von Goethe. Die Historikerin Margareth Lanzinger widmet sich im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts der Frage, wie der Alpentransit im 18. Jahrhundert sich entwickelte und welche Rolle besonders Wirtshäuser als wichtige Infrastruktur spielten. Ihre Recherchen zeichnen ein faszinierendes Bild über den Austausch an Waren, Ideen und auch Handwerkern über den Brennerpass und andere Wege über Europas zentrales Gebirge, das Norden und Süden historisch trennt und immer mehr verbindet. Das veränderte nicht nur den Warenfluss, sondern auch die Wahrnehmung der Alpen selbst, die von einer neuen Generation von Schriftstellern plötzlich als schön und erhaben entdeckt werden. Aber auch die Natur selbst ändert sich und reagiert auf die wachsende Invasion der menschlichen Reisenden und die Klimakrise.
Im Gespräch mit Moderator Philipp Blom und mit Hörer:innen erläutert Margareth Lanzinger den großen Aufschwung des alpinen Transits im 18. Jahrhundert und seine Auswirkungen auf Menschen, Handelsnetzwerke und Ökosysteme.
