WISO Abendkolloquium: Klaus Weber (Europa-Universität Viadrina): Aus Böhmen nach Peru, aus Bremen nach Bordeaux

27.11.2025

Moderation: Anka Steffen

Zeit: Dienstag, 2. Dezember 2025, 17.00–18.30 Uhr

Ort: hybrid – Seminarraum WISO, Hauptgebäude Universität Wien (Universitätsring 1), Stiege 6, 2. Zwischengeschoß und via Zoom

 

Zoom-Link: https://univienna.zoom.us/j/65470650042?pwd=KOhSKVFwb0aIkBuXSeMwOkzdaYYTbP.1   
Meeting-ID: 654 7065 0042 | Kenncode: 218011 

Klaus Weber (Europa-Universität Viadrina): Aus Böhmen nach Peru, aus Bremen nach Bordeaux. Netzwerke zwischen deutschen Protoindustrien, afrikanischen Sklavenmärkten und Plantagenökonomien in den Amerikas (c. 1680-1830)

Selbst in der Geschichtswissenschaft hielt sich lang die Auffassung, dass deutsche Territorien bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wirtschaftlich weitgehend isoliert waren von den kolonialen Räumen der westeuropäischen Seemächte. Eine ganze Reihe empirischer Arbeiten hat dies seit den 2000er Jahren widerlegt. Der Vortrag zeigt auf, wie Kaufmannsunternehmer Standortvorteile (z.B. niedrige Lohn- und Energiekosten) in spezifischen Regionen des Alten Reiches erfolgreich für den Ausbau bestimmter exportorientierter Gewerbe nutzten. Deren Erzeugnisse gingen als Tauschware zum Kauf von Versklavten nach Westafrika, als Ausrüstung für Plantagen in die Karibik oder als Luxuswaren für die kolonialen Eliten bis nach Lima. Zugleich verschafften die Exporte wachsenden Bevölkerungsgruppen im Alten Reich eine zusätzliche Kaufkraft, die u.a. in den Konsum von Genussmitteln wie Kaffee, Zucker oder Tabak floss. Am Ende stehen grundsätzliche Überlegungen zur Position dieser mitteleuropäischen Gebiete im räumlichen Kontinuum zwischen Asien und atlantischer Welt.

Klaus Weber ist seit 2011 Professor für Vergleichende europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). 

Gesamtprogramm Wintersemester 2025/26 (pdf)

26.11.2025