ERC Advanced Grant für Margareth Lanzinger

11.04.2024

In der letzten Ausscheibungsrunde wurden sechs ERC Advanced Grants für die Universität Wien bewilligt. Eines davon ist das Projekt "ALPINNKONNECT" von Margareth Lanzinger. Das Institut gratuliert herzlich! Insgesamt wurden 12 ERC Advanced Grants für österreichische Forschungsprojekte bewilligt. Mit dem Programm des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC) wird grundlagenorientierte Pionierforschung mit hohem Innovationspotenzial ermöglicht.

Transitverkehr in den Alpen des 18. Jahrhunderts

Durch die Frühe Neuzeit hindurch haben Unmengen an Gütern – Wein, Branntwein, Getreide, Salz, Rinder, Leinen, Seide, Eisenwaren, Trockenfrüchte und vieles andere mehr bis hin zu Schnecken und Austern – die Alpen überquert. Pferdewagen und Maultiere waren tagtäglich auf den Straßen und Saumpfaden unterwegs, um die Güter zu transportieren. Obwohl es sich dabei um einen expandierenden Wirtschaftszweig handelte, wissen wir jedoch sehr wenig, wie der Transport organisiert war. Das Projekt "ALPINNKONNECT" von Margareth Lanzinger konzentriert sich daher auf die alltägliche Praxis des Transitverkehrs über Land und Wasser in herausfordernden alpinen Landschaften. Der räumliche Schwerpunkt für Margareth Lanzinger und ihr Team liegt auf der Brennerstrecke mit ihren östlichen und westlichen Transversalen sowie auf Schweizer Alpenübergängen.

Gastwirt*innen werden als zentrale Akteur*innen der Logistik und Gasthäuser als Drehscheiben der Infrastruktur des Transitverkehrs erachtet. Als pluriaktive Unternehmen waren sie in ein weit verzweigtes Netz von Heirats- und Verwandtschaftsbeziehungen eingebunden und standen in Verbindung mit Fuhrleuten, Säumern und Flößern, mit lokalen Rod-Genossenschaften und Spediteuren. Alle Beteiligten mussten mit schwierigen Straßenverhältnissen, wechselnden Jahreszeiten usw. zurechtkommen. Daher arbeiten die Wissenschafter*innen mit dem Ansatz der Verflechtung von sozialen, materiellen und naturbezogenen Aspekten und schließen Straßen, Brücken, Ställe, etc. ebenso in der Analyse ein wie Tiere und Transportmittel. Der Warenverkehr über Land wird im Projekt komplementär zum europäischen Handel auf dem Seeweg gesehen.

Margareth Lanzinger ist seit 2017 Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte vom 16. bis zum 19. Jahrhundert am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Sie habilitierte über Eheschließungen zwischen nahen Verwandten im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert und leitet FWF-Forschungsprojekte zu Verwandtschaft und Vermögen. Weitere Forschungsschwerpunkte sind Erb- und Ehegüterregime in Norm und Praxis, Kulturgeschichte der Verwaltung, Konstruktion von Held*innen. Sie war Gastprofessorin bzw. Gastdozentin an der FU Berlin sowie an den Universitäten Hannover und Siegen. Sie ist im Team der Geschäftsführung der Zeitschriften "Historische Anthropologie" und "Quaderni storici".